Boty International 2009 Bericht
In der dritten Oktoberwoche war es wieder soweit: Für ein paar Tage drehte sich die Welt des Breakdance erneut um nur einen einzigen Ort:
All eyes on Braunschweig, Germany.
Aus allen Erdteilen strömten die Heads zusammen um einer der letzten Bastionen der dahinschwindenden HipHop-Kultur die besten Wünsche zum 20. Geburtstag zu überbringen.
Doch nicht nur das später von Trix eingeforderte Geburtstagslied unterschied auch in diesem Jahr den BotY-Gänger von einem stumpf konsumierenden Konzertbesucher:
Auch 2009 war das Battle of the Year wieder ein Event zum mitmachen. Ein zum Jubiläum besonders dick geschnürtes Paket von Rahmenveranstaltungen gab allen Kulturaktivisten und Kulturinteressierten die Möglichkeit in Workshops, vor allem aber in den vielen Cyphers von WarmUp-Party, Main-Event und Aftershow-Party ihren Horizont zu erweitern und sich aktiv auszutauschen. Der einzigartige Spirit eines Events, das multikultureller kaum sein könnte, demonstrierte erneut kraftvoll den Überlebenswillen der HipHop-Kultur, so wie die Heads sie kannten und lieben.
Der Wettbewerb wurde im kleinen Maßstab schon am Vorabend des Hauptevents eröffnet. In dem Einkaufszentrum Schlossarkaden stießen einige nichtsahnende Shopper auf eine Bühne inmitten einer Traube aus bunt gekleideten Menschen, die sich versammelt hatten, um einige Tänzer der internationalen Elite beim 1vs1-Battle zu bejubeln.
Neben dem am Donnerstag stattgefundenen Theaterabend war dies der wohl wirkungsvollste Versuch, dem kulturfremden Menschen Breakdance als Teil einer (entgegen dem medialen Bild) gewaltfreien, positiven HipHop-Kultur zu präsentieren.
Dieses Ziel rückte bei den B-Boys & -Girls jedoch schnell in den Hintergrund, als alte und neue Gesichter der internationalen Szene ihre Moves auf das Parkett legten.
Am Ende durfte sich der gerade in der Battleszene alles andere als unbekannte LILOU (Pockemon/FR) über einen weiteren Sieg freuen.
Doch zu diesem Zeitpunkt war die Freitag-Nacht noch jung und die Gemeinschaft zog weiter ins Jolly Joker, wo sich neben dem Finale des We B* Girlz 2on2 Battles (Gewinner: Japan) auch Popping- & Locking-Battles zutragen sollten. Parallel wurde in allen Cyphers bis in die Morgenstunden durchgetanzt, beschallt von einigen der besten DJs, welche auf dem Globus zu finden sind: u.A. CUT NICE, KID CUT, NAS’D, RENEGADE, TEE und WOODO gaben sich an den Tellern die Klinke in die Hand und versorgten die Menge mit einem tadellosen Sound.
Doch all dies sollte schon am Tag darauf in den Schatten gestellt werden, als sich in der Volkswagenhalle das Main-Event zutrug.
Nur kurz nach dem Herunterfahren der Hallenbeleuchtung und dem Ersterben der Musik läutete TRIX’ die Stille durchschneidende Stimme den Beginn des Ausnahmezustandes ein.
Ohne die einleitenden Worte unnötig auszutreten wurde der erste Showblock mit den Vorjahres-Halbfinalisten FORMOSA (Taiwan) begonnen, welcher mit einer energiegeladenen Show die Messlatte bereits hoch anlegten (sie erreichten Platz 6). Es folgte das TEAM SCHMETTA aus BeNeLux, welches die Underdog-Breakdancenationen Belgien und Niederlande mit einer erstklassigen Show ebenfalls nah an die Battles brachte (Platz 7). Nach erneuter Präsenz der Südafrikanischen Formation UBUNTU (Platz 14) und den GHOST ROCKZ aus der Schweiz (Platz 17) mussten die deutschen Fans über den Ausfall ihrer Repräsentanten, den FUNK FELLAZ benachrichtigt werden. Mit drei Verletzten in der Gruppe war die Teilnahme zur Enttäuschung der Fans leider nicht möglich.
So folgten die ebenfalls nicht erstmals vertretene Crew OCTAGON aus Schweden (Platz 12) und die Gruppe aus Weißrussland (BELARUSIAN B-BOYS, Platz 11) nach, bevor es dann in der Halle richtig laut wurde.
GAMBLER meldete sich zurück, mit dem Ziel nach dreimaliger Treppchenplatzierung in 2003-2005 (mit Sieg in 2004) erneut ganz oben mitzumischen. Nachdem sie sich im BotY-Asia nur als Zweitplatzierte hinter DER ALL AREA CREW ein Ticket zu den internationalen Finals gesichert hatten, merkte man ihnen den Hunger an, mit dem sie ihren Platz an der Spitze einfordern wollten. Unter nicht abreißendem Jubel nahmen die Koreaner mit einer furiosen Show ihren Platz in den Finalbattles ein.
Im Anschluss sah man erstmals eine Crew aus dem Suriname, die durch eine erwärmende Rede des lokalen Organisators introduced wurden. Trotz einer für einen solchen Underdog sehr respektablen Show mussten die MYSTIKALZ sich am Ende mit den Schweizern den 17. Platz teilen.
Die folgende Showpause wurde durch die Performance der BOTY-ALLSTARS überbrückt, Pioniere wie STORM, SPEEDY und CRAZY sorgten für eine ordentliche Portion OldSchool-Flavour. CICO stand währenddessen schon in den Startlöchern, um im Anschluss seinem deutschen Herausforderer ARDIT zu zeigen, wer der wahre King of 90s ist. So musste ARDIT sich nach drei Runden dem Italiener geschlagen geben.
Der zwete Showblock begann mit einem weiteren Comeback. PHASE T, die schon 2005 in den Battles mitgemischt hatten, hielten auch 2009 für Frankreich die Fahne hoch. LIL KEV ist inzwischen dem Kükenalter entwachsen, was ihn nicht davon abhielt, sich weiter von seinen Crewkameraden durch die Gegend werfen zu lassen. Die Show bestach durch viele kreative Elemente und die für Frankreich typische Energie, die nicht zuletzt der Grund für den Battleeinzug gewesen sein sollte.
Brasilien festigte mit den AMAZON B-BOYS weiter seinen Platz in der Liste ernstzunehmender Finalkandidaten, das auch in diesem Jahr hohe Niveau der Südamerikaner sollte am Ende für einen mit TEAM SCHMETTA geteilten 7. Platz genügen.
Wenige Gedanken um den Finaleinzug musste sich jedoch die nachfolgende Crew machen. Wenn eine Crew 2009 durch das wiederholte Gewinnen großer Competitions auf sich aufmerksam gemacht hat, dann wohl ALL AREA, Japan.
Mit dem Sieg im R-16 und dem Vorentscheid BotY Asia traten sie als eindeutiger Titelfavorit an. So war das Abfeuern der viel erprobten Show und der Einzug in die Battles reine Formsache.
Die Italiener von DE KLAN vermochten dieses Niveau nicht zu halten (Platz 15), doch der KNUCKLE HEAD ZOO, der sich aufgrund mangelnder Organisation in den Staaten ohne nationalen Vorentscheid für das Main Event dank Einladung qualifizieren konnte, kratzte zum dritten mal nach 2005 (Platz 6) und 2006 (Platz 5) an den Battle Plätzen. Am Ende erlangten sie erneut den undankbaren 5. Platz.
Nach den BREAKERS WITHOUT FEAR (Griechenland, Platz 16) war TOP 9 am Zug, ihre Titelverteidigung zu präsentieren. Dank einer soliden Show sollten sie (wenn auch den Punkten nach abgeschlagen) die Chance bekommen, auch die neue Wandertrophäe in die Vitrine stellen zu dürfen.
Etwas gänzlich Neues boten danach die SOUL MAVERICKS aus Host TRIX‘ Heimatland, den UK. Zunächst irritiert, dann aber mit steigender Begeisterung verfolgte das Publikum die erste Hälfte der Show, die völlig ohne Musik getanzt wurde. Trotz der kreativen Idee und der trotz fehlendem Beat erstaunlichen Synchronität reichte es für die Briten am Ende nur für Platz 10, vermutlich auch deswegen, weil der zweite, zu Musik getanzte Teil der Show die vorher gesehene fast gänzlich wiederholte.
Den Abschluss der Shows bildeten die Österreicher von PRODIGY (Platz 9) und zu guter letzt warteten die aus Israel angereisten UNSTOPABULLZ mit einer wie gewohnt zum Schmunzeln anregenden Urzeit-Show, die vor allem durch die große Zahl von Tänzern imponierte (Platz 12).
Nachdem SPAX und TRIX ein wenig in Erinnerungen über den Werdegang des BotYs geschwelgt hatten, durften sich insbesondere die deutschen Besucher über ein musikalisches Highlight freuen. Die deutschen Hip-Hop Urgesteine Stieber Twins, Cora E, TORCH und TONI L brachten für einen Moment die alten Tage zurück, in denen HipHop noch so selbstverständlich heil und positiv war.
Danach hieß es dann Battle-Time. Wenig überraschend waren die Teilnehmer des Ersten. Wie seit 2001 durchgehend waren auch 2009 sowohl Frankreich als auch Korea in die Battles vorgedrungen. Nach einer fouriosen Viertelstunde, in der an Routines nicht gespart wurde, setzte sich GAMBLER schließlich gegen PHASE T durch.
Im zweiten Viertelfinale trafen die favorisierte ALL AREA CREW gegen eine vom Publikum mit Unverständnis aufgenommene TOP 9 aufeinander. Da die Show der Russen nicht durch ihre Spektakulärität aufgefallen war, wurde Unmut im Publikum laut, der gegenüber der mehr als hochkarätigen Jury bereits anmaßend war.
Nach einem 15-minütigen Schlagabtausch wurde die Pause bis zum Finale durch das dänische Kollektiv der BIG CITY BRAINS überbrückt. STEENs neuer Geniestreich verzauberte das Publikum auf eine ganz eigene Weise mit den verschiedensten Elementen des Electric Boogie.
Als alle Kinnladen wieder aufgesammelt waren, schlug dann endlich die Stunde des Finales, deren Einleitung mit der Bekanntgebung der Teilnehmer stark polarisierte.
Neben Gambler hatte sich TOP 9 qualifiziert, zum totalen Unverständnis vieler im Publikum. Buhrufe wurden laut und markierten so den Tiefpunkt des Abends, auch TRIX‘ Eingreifen half den Unzufriedenen nicht den Sieg der Russen über TAISUKE & Co. Zu akzeptieren.
So verlief das Battle mit moralischem Nachteil für die Crew, die zuvor im R-16 der ALL AREA CREW erlegen hatte.
Dies war dann wohl einer der Gründe, warum GAMBLER nach einem etwas einseitigen Battle die Trophäe erneut nach Korea holte.
So endete für viele das BotY 2009 mit gemischten Gefühlen, wenig Trost war der Preis für die beste Show, den ALL AREA gewonnen hatte und mit unverständnisvoller Miene abholte, um danach nicht minder unzufrieden für die vielen Kameras zu posieren.
Aber spätestens in der langen Nacht der Aftershowparty und den bis in die Nachmittagsstunden des Sonntags andauernden Cyphers am Bahnhof (die durch ein mobiles Soundsystem angemessen beschallt wurden) wurde der Frust schnell begraben und ausgelassen gefeiert, um danach die Heimreise anzutreten.
Nur um im nächsten Jahr wieder in Braunschweig einzufallen. Sowahr es die Organisation denn will. See y’all next year!
Ya bwoi AEROW
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